Themenfeld
Männergruppe
online.
Ein geschützter Online-Raum für Männer — für Austausch, Reflexion und das, was sich im Alleingang nicht zeigen will.
Warum eine Männergruppe
Vieles im männlichen Erleben — Verletzlichkeit, Scham, Wut, Sehnsucht, das Verhältnis zu Vätern, zu Partnerschaft, zu Arbeit und Erfolg — entfaltet sich im Spiegel anderer Männer auf eine Weise, die im Einzelgespräch so nicht möglich ist. Eine Gruppe gibt Resonanz, Reibung und Zeugenschaft.
Wie wir arbeiten
Die Gruppe trifft sich regelmäßig online in fester Besetzung. Ich halte den Rahmen tiefenpsychologisch — wir bleiben bei dem, was tatsächlich da ist, und arbeiten mit Themen, die sich im Hier und Jetzt der Gruppe zeigen. Vertraulichkeit ist die Basis.
Für wen
- — Männer, die sich nach echtem Austausch jenseits von Smalltalk und Leistungsbezug sehnen.
- — Männer in Übergangsphasen — beruflich, in Beziehungen, als Vater, als Sohn.
- — Männer, die sich selbst tiefer verstehen und in Verbindung mit anderen wachsen wollen.
Männer und Gefühle
Männer und Gefühle — das ist bis heute eine spannungsreiche Geschichte. Viele Männer haben früh gelernt, das eigene Erleben in den Hintergrund zu stellen: funktionieren, leisten, standhalten. Doch unter dieser Oberfläche liegt eine reiche, oft widersprüchliche innere Welt, die gehört werden will.
Sigmund Freud sprach von einer ursprünglichen Bisexualität des Menschen — und meinte damit nicht nur die sexuelle Orientierung, sondern ein psychisches Mit- und Nebeneinander von Männlichem und Weiblichem in jedem von uns. C. G. Jung nannte das innere Weibliche im Mann die Anima. Was an dieser Seite abgelehnt, verdrängt oder beschämt wird, sammelt sich im Schatten — jenem Teil, den wir an uns selbst nicht sehen wollen und doch im Außen begegnen.
Die männliche Seele ist in vielem bi-polar gestimmt: Mann und Frau, friedvoll und aggressiv, Kopf und Gefühl, extrovertiert und introvertiert, warmherzig und kühl, nah und distanziert. Reifung heißt nicht, eine Seite zu wählen und die andere zu verbannen, sondern beide Pole halten zu lernen — und im Spannungsfeld eine eigene, lebbare Mitte zu finden.
Vater und Sohn
Vater sein und Sohn sein — beides prägt tief. In der Regel ist die Mutter die erste Bezugsperson: Wärme, Halt, das ursprüngliche Aufgehobensein. Der Vater wird in vielen Biografien zum Schlüssel zur Welt jenseits dieses ersten Kreises. Mit ihm wird der spielerische Umgang mit Aggression möglich, mit ihm beginnt Exploration, Abenteuer, das Hinaustreten ins Offene. Wo dies gelingt, entsteht auch eine selbstverständliche Wertschätzung des Männlichen — im Vater und in sich selbst.
Doch viele Männer tragen einen anderen Vater in sich: den abwesenden, den schweigenden, den überforderten — oder den idealisierten, an dem man sich nie wirklich reiben durfte. Der Konflikt mit dem Vater ist oft auch ein Konflikt mit der eigenen Männlichkeit: Was darf ich davon sein? Was lehne ich ab? Was vermisse ich?
Es braucht im inneren wie im äußeren Erleben einen Vater, der Zärtlichkeit geben und zugleich Grenzen setzen kann. Aus dieser Doppelheit wächst das männliche Über-Ich — nicht als strafende Instanz, sondern als tragende Orientierung. Tiefenpsychologisch gesprochen vollzieht sich darin auch eine Verwandlung des Weiblichen ins Männliche: das früh empfangene Genährtsein wird zur eigenen Fähigkeit, andere zu halten, da zu sein in guten wie in schlechten Tagen.
Freiheit und Verantwortung
In der Männergruppe geht es genau um diese Bewegungen: Grenzen ausloten und akzeptieren, Verantwortung übernehmen für das eigene Erleben und Handeln, und in all dem eine schöpferische Freiheit entdecken, die nicht aus Trotz lebt, sondern aus innerer Klarheit. Männer, die einander wirklich begegnen, machen sich gegenseitig diese Freiheit möglich.
Die Heldenreise
Mann-sein ist ein Abenteuer, das bestanden werden will. Es ist eine Heldenreise — mit Aufbrüchen, Prüfungen, Niederlagen und Wendepunkten. Unterwegs gilt es, verschiedene Qualitäten in sich zu entwickeln: Mut und Behutsamkeit, Stärke und Hingabe, Klarheit und Mitgefühl. Keine dieser Qualitäten reicht für sich allein; erst im Zusammenspiel entsteht ein tragfähiges, lebendiges Männliches.
Auf diesem Weg liegt zweierlei Vertrauen: das Vertrauen in sich selbst — in die eigene Wahrnehmung, die eigene Kraft, das eigene Urteil — und das Vertrauen ins Leben, das sich auch dann hält, wenn der Boden einmal nicht trägt. Beides wächst nicht aus Theorie, sondern aus Erfahrung — und aus den Wunden, die unterwegs heilen dürfen. Was nicht angeschaut wird, wirkt im Verborgenen weiter; was Raum bekommt, kann sich verwandeln.
„Survival of the fittest" meint im ursprünglichen Sinn nicht den Stärksten, sondern den am besten Angepassten — denjenigen, der sich auf das Leben einzulassen vermag, wie es tatsächlich ist. Genau darin liegt das Bestehen der Heldenreise: nicht im Sieg über andere, sondern in der Fähigkeit, mit sich, mit anderen und mit der Wirklichkeit in Beziehung zu bleiben.